Trading Cards & Collectibles: Vom Hobby zum Investment
Wie Sammelkarten, Pop-Culture-Merch und Begehrtheiten bei eBay den globalen Spielzeugmarkt revolutionieren – und warum das kein Nostalgie-Hype, sondern ein Wachstumsriese ist.
Von Carsten Kortum
Trading Cards, als wesentlicher Teil dieses Marktes, zeigen ein besonders dynamisches Wachstum. So belief sich das Handelsvolumen global auf etwa 1,23 Mrd. USD allein 2025, mit einem CAGR von 9 % (2019–2033) nach Daten von Archive Market Research. Andere Prognosen gehen von einem moderateren Wachstum aus: 1,11 Mrd. (2024) zu 1,58 Mrd. (2034) bei einem CAGR von 3,6 % nach Daten von Global Growth Insights. Der sportbezogene Memorabilia-Teilmarkt ist ebenfalls stark: mit einem Volumen von 38,6 Mrd. USD (2024) und einem erwarteten Anstieg auf 71 Mrd. USD (2030) bei einem CAGR von 12,1 % nach Informationen von Mark & Spark Solutions.
Soweit die Zahlen, aber was treibt den Markt an? Die treibende Kraft dahinter: Gesammelt wird nicht mehr nur aus Leidenschaft – viele Marktteilnehmer sehen in den Karten ein Anlagevehikel. Laut einem Branchen-Report investieren viele Anleger heute 5–10 % ihres Portfolios in Collectibles, angezogen von knappem Bestand, Wertzuwachs und Diversifikation. Bereits 2024 wird der Markt für Trading Cards allein mit mehr als 15 Mrd. USD beziffert von der New York Post. Und die Beliebtheit ist alles andere als ein Alterstrend: Bei WNBA-Karten etwa verzeichnet die PSA eine 62 % Steigerung bei der Bewertung – im Zentrum steht die Spielerin Caitlin Clark mit über 105.000 PSA-gegradeten Karten seit Saisonbeginn 2024. Der Investitionscharakter kann dabei spektakuläre Preise erzielen: Eine 2007er- Michael-Jordan/Kobe-Bryant-Karte wurde im August 2025 für rekordträchtige 12,9 Mio. USD verkauft. Ein weiterer Rekord: Eine 1952 Topps Mickey-Mantle-Karte erzielte 12,6 Mio. USD.
eBay ist als Handelsplattform seit Jahrzehnten zentral – und treibt das Wachstum aktiv mit. Seit der Gründung vor 30 Jahren hat sich eBay zur Top-Adresse für begehrte Sammlerprodukte entwickelt. Auktionskäufe mit Pokémon-Karten etwa katapultierten eBays Quartalsumsatz auf 2,73 Mrd. USD im Q2 2025 – dem höchsten seit der Pandemie. Der Börsenkommentar dazu: Die Plattform erlebe durch die „stark nachgefragten Kategorien Sammelkarten“ ihre bisher beste Performance.
Anlässlich seines 30-Jahr-Jubiläums eröffnete eBay den nostalgischen „’95 Shop“ – kuratiert von Sarah Michelle Gellar – mit Fokus auf ikonische Pop-Culture-Stücke wie Jordan XI Sneaker, Pokémon-Karten und Vintage-Accessoires. Damit unterstreicht eBay nicht nur sein Erbe, sondern auch seine Rolle als Kultur- und Marktplatzinstitution für Sammler.
Ein weiterer Schwergewichtsanbieter, Fanatics, expandiert aggressiv im Sammelkartenbereich: Die Einnahmen sollen von 1,6 Mrd. USD (2024) über mehr als 2 Mrd. USD (2025) bis auf 3 Mrd. USD (2026) steigen laut Informationen der Financial Times. Mit dem Launch des ersten Trading-Card-Stores auf der Regent Street in London schafft man einen sichtbaren Erlebnisort – und hofft, die Karte als Hobby europaweit zu verbreiten. Sammler-Events wie der London Card Show verzeichnen Rekordbesuch – über 7.000 Teilnehmer –, getragen von Nostalgie, Pop-Culture-Fankult und Investmentmotivation.
Fazit: Trading Cards & Collectibles sind längst kein Nischenphänomen mehr: Sie entwickeln sich zur Haupttriebfeder im Spielwaren- und Sammlermarkt. Mit starken Wachstumsraten, Investmentattraktivität und Plattformpower – allen voran durch eBay – ist klar: Wer heute in das Spiel mit der Karte einsteigt, steht auf dem Puls einer Milliardenbranche.
Tipps für Händler:
- Events schaffen Frequenz: Tauschbörsen, „Card Nights“ oder Live-Breaks im Laden ziehen Sammler und junge Zielgruppen gleichermaßen an. Händler werden so zum Treffpunkt der Community.
- Zusatzsortimente nutzen: Hohe Margen bieten Schutzhüllen, Sammelalben, Boxen, Sleeves oder Acryl-Cases. Händler, die Komplettlösungen anbieten, erhöhen den Warenkorb.
- Retailtainment einsetzen: Displays mit Live-Streams von Auktionen oder eBay-Highlightkarten schaffen Erlebnis am POS. Ergänzt durch QR-Codes für digitale Aktionen.
- Cross-Selling denken: Sammelkarten passen zu Brettspielen, Merchandise oder Konsolen – ein Bündeln in Themenwelten erhöht die Impulskäufe.
- Digital verlängern: Eigene Social-Media-Formate oder WhatsApp-Gruppen für Tausch & News stärken die Bindung. Händler können so im Alltag der Fans präsent bleiben.
- Exklusivität betonen: Limitierte Drops oder signierte Karten in Kooperation mit Herstellern oder Influencern erzeugen Verknappung und Sammlerwert.

Dr. Carsten Kortum
lehrt als Professor an der Dualen Hochschule Heilbronn. Der versierte Handels-Experte war zuvor viele Jahre in verantwortlichen Positionen für die Nonfood-Sparte von Lidl tätig.
