Gemeinsam mit dem Handel zur starken Marke

30.12.2025

small foot arbeitet daran, sich vom Produkthersteller zum Markenanbieter zu wandeln. Für diesen Entwicklungs­prozess braucht es auch den Spielwarenhandel. Mit dem Ausbau des Führungsteams folgt jetzt der nächste Schritt.

Planet Toys Gefühlt. Gekauft. Geschenkt.

Herr Adam, auf der Spielwarenmesse kritisierten Sie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland. Wie fällt Ihr Fazit nach den ersten Monaten der neuen Regierung aus?

Pascal Adam: Viel an positiver Stimmung ist bis jetzt noch nicht zu spüren. Ökonomie ist und bleibt aber ein psychologisches Thema. Ständige Streitigkeiten wie um die Besetzung von Richterämtern oder um Sozialreformen und Steuererhöhungen sind da sicherlich nicht förderlich. Sie trüben die Stimmung der Unternehmer wie der Konsumenten eher ein, als dass sie Aufbruch vermitteln. Generell glaube ich aber, dass die Koalition nicht gut beim Thema Eigendarstellung ist, weil sie durchaus ein paar Dinge auf den Weg gebracht hat, die nur schlecht kommuniziert und von Scheindebatten überlagert wurden.

Die Stimmung unter den Unternehmen in Deutschland scheint sich leicht aufzuhellen, wenn wir den ifo-Index heranziehen. Selbst der Spielwarenmarkt verzeichnet ein leichtes Plus. Wie schlug und schlägt sich small foot?

P.A.: Wir liegen auf Plan und sehen unsere Strategie der letzten Jahre bestätigt.

Heißt konkret?

P.A.: In einigen Märkten ist es uns gelungen, zu wachsen, in anderen mussten wir Einbußen hinnehmen, aber wir liegen insgesamt auf Kurs. In der aktuellen Phase des Markenaufbaus setzen wir auf ein moderates Wachstum. Vor allem können und werden wir im stationären Handel in der DACH-Region wachsen. Das ist manchmal sehr herausfordernd, aber wir konnten in diesem Jahr tolle Neukunden gewinnen. Unser Ziel ist, das Niveau des Vorjahres mindestens zu erreichen und gleichzeitig gezielt in neue Marktpotenziale zu investieren.

Findet auch die Branche auf einen Wachstumskurs zurück?

P.A.: In den letzten Jahren war sehr viel Bewegung im Markt. Mittlerweile dürfte sich der Markt konsolidiert haben. Ich rechne mit einem moderaten Wachstum bei Marken, die sich in diesem Jahr weiterentwickeln. Das wird small foot tun. Für mein Gefühl wird 2025 für uns ein sehr starkes Entwicklungsjahr mit vielen spannenden Neuheiten.

E-Commerce-Plattformen aus Drittländern haben ihre Präsenz auf dem EU-Markt massiv ausgebaut. Brüssel plant jetzt eine Reihe von Maßnahmen, um gegen wettbewerbsverzerrende Praktiken vorzugehen. Wie hart trifft es Sie oder handelt es sich nur um einen Sturm im Wasserglas?

P.A.: Es betrifft uns nicht in einem Maße, dass wir uns ernsthafte Sorgen machen müssten, weil wir seit einiger Zeit das Thema Markenaufbau in den Fokus stellen. Natürlich finden sich hin und wieder small-foot-Kopien auf bestimmten Plattformen. Bei einem kopierten Produkt ist sogar eine unserer Originalaufnahmen mit Kind benutzt worden, wogegen wir natürlich vorgegangen sind. Unsere Kunden schätzen aber die Qualität und Werte von small foot – darin unterscheiden wir uns klar von Plattformangeboten wie TEMU. Eine Konkurrenz bleibt es aber dennoch.

Welche kurz- und mittelfristigen Maßnahmen erhoffen Sie sich von Brüssel?

P.A.: Meine Erwartungshaltung ist da eher gering. Wir fokussieren uns darauf, durch eigene Maßnahmen und gemeinsam mit unseren Handelspartnern Lösungen voranzubringen.

Und wie?

P.A.: Indem wir das Thema Marke in den Vordergrund stellen und unsere Produkte einzigartig machen. Dabei spielen natürlich auch die richtigen Handelspartner eine wichtige Rolle, weshalb wir unser Führungsteam um die neu geschaffene Position mit Tobias Wilke als Chief Sales & Marketing Officer verstärkt haben. Ich vertraue jedenfalls nicht unbedingt darauf, dass aus der Politik die Lösung kommt, und wenn, dann braucht sie immer ihre Zeit. small foot muss konsequent einzigartige Produkte in den Markt bringen und den Mehrwert dem Endverbraucher erklären.

Ihr neuer Chief Sales & Marketing Officer hat gleich eine Kooperation mit der EK Retail vereinbart. Er ist ein VEDES-Gewächs. Das lässt den Schluss zu, dass Sie mit der Präsenz Ihres Unternehmens im Fachhandel nicht so richtig zufrieden sind oder, anders gesagt, dort noch zulegen möchten.

P.A.: Das ist richtig – im stationären Spielwarenhandel und im Ausland sehen wir noch großes Potenzial für unsere Marke. Die Kooperation mit der EK ist deshalb richtig und wichtig und ein erster Schritt dahin, unsere Position dort auszubauen. Ich glaube, dass unsere Produkte dem Handel einen Mehrwert bieten. Im Segment E-Commerce sind wir meines Erachtens sehr gut aufgestellt. Der Ausbau im stationären Handel ist natürlich auch im Kontext mit unserem Markenaufbau zu sehen. Beides geht Hand in Hand. Ja, es ist richtig, auch um die Präsenz im stationären Handel auszubauen, haben wir Tobias Wilke an Bord geholt.

Dann werden Sie vermutlich auch in Nürnberg vorsprechen?

Tobias Wilke: Wir werden auf jeden Fall mit weiteren Fach- und Großhandelspartnern sprechen. Wir können nicht alle Fachhändler in der Breite und Tiefe besuchen und betreuen, dafür brauchen wir starke Partner an unserer Seite mit eigenem Außendienst und eigener Logistik. Unser Ziel ist es jedenfalls, small foot deutlich mehr im stationären Handel stattfinden zu lassen. Für den weiteren Markenaufbau – und small foot ist definitiv eine sehr haptische Marke – brauchen wir den stationären Handel, auch wenn wir einen Omnichannel-Ansatz fahren. Wir wollen da sein, wo der Kunde ist, und im stationären Bereich einfach stärker werden.

Nach leichten Rückgängen boomt der E-Commerce wieder. Was trägt der Bereich eigentlich zu Ihrem Umsatz bei?

P.A.: Das ist schwer zu sagen, weil viele unserer Kunden dual fahren, aber der Anteil dürfte so um die 70 % liegen. Dazu tragen auch viele kleinere und wertige Shops bei, die sehr stark beratend unterwegs sind und nichts mit Amazon zu tun haben.

Die EU und die USA haben sich auf Zollsätze von 15 % verständigt. Befürchten Sie negative Auswirkungen auf Ihr Geschäft? Amerikanische Spielzeugkonzerne jammerten schon, dass es ihnen das Weihnachtsgeschäft verhageln würde.

P.A.: Unser USA-Geschäft ist im Verhältnis zu dem, was wir im Kernmarkt Europa erzielen, relativ klein, aber natürlich ist das eine Herausforderung. Für den europäischen Markt sehe ich das eher entspannt, weil wir hier noch große Potenziale heben können. Ganz gleich, wie sich die wirtschaftliche Entwicklung bewegt – wir fokussieren uns darauf, unsere eigene „Firmenkonjunktur“ zu erzeugen.

Das Thema Nachhaltigkeit scheint aktuell an Relevanz verloren zu haben. Auch in Delmenhorst?

P.A.: Nachhaltigkeit ist fester Bestandteil unserer DNA – unabhängig davon, ob es gerade medial im Fokus steht oder nicht. Gerade die Mitarbeiter im Produkt- und Verpackungsdesign achten darauf, möglichst effiziente und ressourcenschonende Antworten zu geben. Wir arbeiten mit großen Kunden zusammen, die eigene Abteilungen für Nachhaltigkeit haben, wodurch es uns gemeinsam gelingt, Anforderungen zu erfüllen, die deutlich über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen. Es ist ein ganzer Blumenstrauß an Dingen, die wir umsetzen, die vor allem aber von unseren Mitarbeitern selbst kommen.

Meine Herren, wir bedanken uns für das Gespräch.