Neue Standorte für die Expansion

21.08.2026

Hersteller small foot kehrt Delmenhorst den Rücken, bleibt aber der Region erhalten. Mit dem Umzug läutet der Spielwarenproduzent die nächste Stufe der Transformation ein. Ulrich Texter sprach mit Pascal Adam und Tobias Wilke in der neuen Logistikdrehscheibe.
Bild zeigt eine Innenaufnahme eines Logistikzentrums
Herr Adam, nun also doch. Die Verwaltung zieht nach Bremen, die Logistik nach Bassum. Hat Ihnen die KI dazu geraten oder verlieh Ihnen die Transformation von Legler zu small foot einen solchen Wachstumsschub, dass Sie Delmenhorst schon aus Kapazitätsgründen den Rücken kehren mussten?
Pascal Adam: Nein, die KI hat uns die Arbeit sicherlich nicht abgenommen. Die Entscheidung haben wir schon noch selber getroffen. Sie ist einfach der logische wie konsequente Schritt, den der Wandel des Geschäftsmodells vom Handelshaus hin zur Marke small foot erforderlich machte. Wir benötigten eine effizientere Logistik. In Summe haben wir jetzt zwar etwas weniger Fläche, aber die können wir produktiver nutzen, um die Kundenbedürfnisse auch entsprechend befriedigen zu können. Die Anforderungen an die Logistikprozesse sind in den vorigen Jahren deutlich gestiegen.

Was verändert sich denn konkret für Ihre B2B-Kunden, aber auch für die Endverbraucher? Geht jetzt alles fixer? Freuen sich Ihre Online-Kunden? Oder ist der Anschluss vom Airport City Bremen nach Irland oder Italien besser?
P.A.: Was die Logistik angeht, haben wir uns ein Konzept für eine ideale Lösung überlegt und eine entsprechende Halle dafür gesucht. Die haben wir in Bassum gefunden. Das Konzept wird jetzt umgesetzt, was zu einer deutlichen Verbesserung bei der Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit führen wird. Davon werden unsere Kunden am Ende des Tages profitieren. Die Effizienzgewinne sind jedenfalls deutlich. Tatsächlich kommt bei der Umsetzung KI zum Einsatz, um Touren oder Packprozesse zu optimieren. Auch da machen wir im Vergleich zur vorherigen Logistik große Fortschritte. Die Büros lagen bis dato in den mehreren angemieteten Logistikimmobilien, weshalb wir auch hier nach einer Alternative gesucht haben. Die Wahl fiel auf die Airport City in Bremen. Wir bleiben also lokal verwurzelt, stellen uns aber zukunftsfähig auf.

Und die Mitarbeiter spielten auch mit?
P.A.: Wir haben es geschafft, unsere Sollstärke, die uns für Bassum vorschwebte, mit unserem Personal zu erreichen. Zudem haben wir ganz bewusst in der Region gesucht. Es gab natürlich auch Kolleginnen und Kollegen, gerade im Teilzeitbereich, für die der Schritt nicht der richtige war, aber auch da haben wir Lösungen gefunden. Für uns aber ganz wichtig: Die Kernmannschaft zieht mit um.

Vor einem Jahr haben Sie angekündigt, die Präsenz im stationären Handel ausbauen zu wollen. Bei der EK Retail haben Sie inzwischen einen Fuß in der Tür. Was steht aktuell auf der Agenda?
Tobias Wilke: Das stimmt. Das Thema Großhandel steckte bei uns vor einem Jahr eher noch in den Kinderschuhen. Mittlerweile haben wir mit der EK Retail eine Markenservice-Partnerschaft. Die EK-Mitglieder können über das EK-Großhandelslager ordern. Aktuell sprechen wir mit der Iden-Gruppe. small foot wird ab Mitte Juli auch dort zu haben sein. Der Augsburger Großhändler Bremeir führt ebenfalls unser Sortiment. Damit dürften wir für den stationären Fachhandel ein Zeichen gesetzt haben. Zudem kommen wir auch selbst sukzessive im Fachhandelsbereich voran.

Listung bedeutet noch nicht Präsenz. Was passiert mit diesen neuen Partnern gemeinsam, z. B. mit der EK Retail, damit die Marke auch tatsächlich im Geschäft stattfindet?
T.W.: Wir haben eine Strategie entwickelt, die wir intern Partnerschafts­modell nennen. Ziel des Modells ist es, den Fachhandel bei der Marken-Visibilität zu unterstützen.

Und das heißt?
T.W.: Das heißt, dass wir ihm ein PoS-Konzept zur Verfügung stellen, ihm gesonderte Fachhandelskonditionen und zudem selektive Sortimente und ein attraktives Portfolio bis ca. 50 Euro UVP bieten, das wir schrittweise entwickeln und das der Konsument im Fachhandel sucht. Das Konzept ist sehr gut angenommen worden und jetzt bei den Großhandelspartnern und uns in der Vertriebsoffensive.

Bliebe noch der VEDES-Großhandel. 2015 gründeten die VEDES und die EK die ToyPartner VEDES/EK GmbH. Die Kompetenzbereiche wurden partnerschaftlich fixiert: Bielefeld kümmert sich um die Pampers-Fraktion, die VEDES um Spielwaren. Die Nürnberger beliefern auch den LEH. Darf die VEDES jetzt diesen Vertriebskanal mit small foot versorgen?
T.W.: Grundsätzlich ist das natürlich eine Option, aber wie ich eben gesagt habe, bieten wir dem stationären Fachhandel ein selektives Sortiment. Das heißt, wenn wir im LEH stattfinden sollten, was nicht auszuschließen ist, werden wir dieses Fachhandelssortiment nicht in die Hand nehmen.

Mit Thalia ist ein neuer Player im Markt, der zwar noch zeigen muss, dass er Spielwaren genauso gut kann wie Buch, aber die Ziele in Hagen sind ehrgeizig. Welche Erwartungen verknüpfen Sie mit dieser Offensive?
T.W.: Das ist genau das, was wir suchen und auch brauchen, nämlich Innenstadtlagen, die Marke erlebbar machen und Preislagen pflegen. Allein aus dieser Perspektive ist das ein sehr guter Partner an unserer Seite.

Alle Welt spricht davon, dass KI die Unternehmenswelt verändern wird, selbst die Kreativität soll damit einen Schub erhalten. Welche Rolle spielt KI in Bremen/Bassum gerade im Hinblick auf neue Produkte?
P.A.: In der Logistik spielt KI momentan eine große Rolle, um Prozesse zu optimieren und deutlich schneller werden, aber wir nutzen KI auch im Alltag, also bei zahlreichen Programmen, wo KI in unsere bestehenden Prozesse eingebaut wird. Das kann bei der Recherche sein oder dass man für eine Produktidee schnell ein Mockup erstellt. Da gibt es diverse Möglichkeiten. Das wollen wir fördern, aber bei der Produktentwicklung sehe ich KI weniger. Da setzen wir weiter auf unser kreatives Design-Team. Persönlich glaube ich auch nicht, dass KI da jemals hinkommen wird.

Europa erlebt einen historischen Einbruch bei den Geburtenraten. Der alte Kontinent wird tatsächlich alt. Die Spielwarenbranche sucht ihr Heil bei den Kidults, für small foot wohl kaum ein Thema. Wie sieht Ihre Strategie aus? Verdrängen und so Marktanteile gewinnen?
P.A.: Die Strategie kann für uns tatsächlich nur heißen, Marktanteile über Produkte zu gewinnen, die einzigartig sind. In der Holzspielwarenbranche gibt es ja sehr viele Marken mit durchaus ähnlichen Produkten. small foot versucht immer über das Thema Spielwert zu punkten, und je höher der UVP ist, desto einfacher ist es, uns abzugrenzen und eine Alternative zu liefern. Ein Beispiel liefert der innovative Notarztrucksack, der das Thema Rollenspiel neu interpretiert hat. Mit dem Spiel-Set Pferd mit Stall haben wir ein Produkt geschaffen, das es so am Markt nicht gab. Das muss der Weg sein. Einzigartigkeit schaffen, um sich abzugrenzen. Auch die weitere Internationalisierung spielt eine Rolle. Da haben wir inzwischen schöne Erfolge erzielt, etwa in Japan. Und auch die USA ist definitiv ein Thema, trotz der Zölle.
T.W.: In den vorigen Monaten konnten wir einige Distributionspartner gewinnen, etwa für Italien, Polen und Skandinavien. An weiteren Ländern sind wir dran. Wir setzen dabei auf Distributionspartner, die die Märkte genau kennen.

Eigene Niederlassungen sind keine Alternative?
P.A.: Wir hatten mal Niederlassungen in Italien und den USA, haben uns aber dann dagegen entschieden, weil es von den Overhead-Kosten nicht effizient war. Ein guter Distributor versteht den Markt deutlich besser als wir selbst, weil wir erst Know-how aufbauen müssten.

Als Skoda der Holzspielwarenhersteller, so Ihre eigene Positionierung, Herr Adam, fokussieren Sie darauf, ihre eigene Firmenkonjunktur zu erzeugen. Wie reichweitenstark verlief denn das erste Halbjahr 2026?
P.A.: Ich würde sagen, dass wir in allen Bereichen kleine Fortschritte gemacht haben, an der einen oder anderen Stelle sogar auch Durchbrüche erzielen konnten, die man im Weihnachtsgeschäft spüren wird, worüber wir allerdings noch nicht sprechen können, solange die Ware nicht im Regal steht. Die Neuheiten machen uns jedenfalls richtig Spaß. Das Feedback der Kunden war sehr positiv.

Meine Herren, wir bedanken uns für das Gespräch.