Spielwaren 2025: KI verändert das Kulturgut

30.12.2025

Künstliche Intelligenz zieht ins Kinderzimmer ein – und stellt die Frage: Was bleibt vom Kulturgut Spielzeug, wenn die Fantasie Antworten bekommt?

Von Patricia Winkler

 

Planet Toys Gefühlt. Gekauft. Geschenkt.

Das Jahr 2025 gilt als Zäsur: Erstmals sollen KI-gestützte Spielwaren in Serie erscheinen. Barbie steht dabei im Fokus – nicht nur, weil die Puppe seit über 60 Jahren ein globales Phänomen ist, sondern weil sie beispielhaft für die Fähigkeit steht, sich immer wieder neu zu erfinden. Mit der Integration von KI verschiebt sich der Fokus: weg von Mechanik oder Elektronik, hin zu Spielzeug, das Dialoge ermöglicht und Geschichten dynamisch weiterführen kann.

Interaktive Elemente im Spiel sind nicht neu. Schon sprechende Puppen oder Systeme wie das Tamagotchi haben gezeigt, dass Kinder Spielzeug als Gegenüber akzeptieren. Doch während frühere Produkte auf festgelegte Reaktionen beschränkt waren, verspricht KI eine neue Offenheit: Inhalte können spontan entstehen, auf Verhalten reagieren und langfristig sogar personalisiert werden. Noch ist offen, wie weit diese Integration reicht. Angekündigt sind KI-Funktionen für bekannte Marken – wie genau sie umgesetzt werden, bleibt unklar.

Fantasie braucht Leere

Die kulturelle Frage stellt sich schon jetzt: Was passiert, wenn Fantasielücken geschlossen werden? Kinder haben schon immer Bedeutungen erfunden – aus einem Bauklotz wurde ein Schloss, aus einem Löffel ein Drache. Diese Leere war die Bühne, auf der Kreativität gedeihen konnte. Wenn KI automatisch Antworten gibt oder Spielideen liefert, verändert sich diese Offenheit. Manche Kinder profitieren von zusätzlichen Impulsen, doch zugleich könnte Eigeninitiative zurückgehen, wenn immer schon eine Geschichte parat steht.
Chancen und Risiken
Die Chancen sind klar: KI kann Spielwelten bereichern, Individualität fördern und Kindern neue Impulse geben. Besonders spannend ist die Möglichkeit, dass Spielzeug langfristig personalisierte Spielprofile aufbaut.

Doch es gibt Risiken. Wenn jedes Problem sofort gelöst wird, fehlt die Erfahrung von Frustration, die für kreatives Denken unverzichtbar ist. Gerade diese Reibung hat viele Spielzeuge zu Kultobjekten gemacht: Sie forderten heraus, statt nur zu gefallen. Damit wächst die Verantwortung. KI-Systeme sind auf Effizienz und schnelle Antworten ausgelegt. Doch das kann dem Wesen des Spiels widersprechen. Ein gutes Spielzeug darf sperrig sein, darf irritieren, darf auch mal „nein“ sagen. Hersteller sind gefordert, Spielzeug nicht nur als Problemlöser zu denken, sondern als kulturelles Medium. Dazu gehört, Räume zu schaffen, in denen Kinder eigene Lösungen entwickeln, Umwege gehen und auch mal scheitern dürfen.

Kulturelle Tiefe statt Technik-Effekt

Spielwaren werden zu Kulturgut, wenn sie Geschichten stiften, die weitergetragen werden. Ein Bauklotz ist nicht deshalb bedeutend, weil er mehr kann, sondern weil Kinder mit ihm immer wieder Neues erschaffen. Dasselbe gilt für KI-Spielzeug. Technik allein erzeugt keine kulturelle Tiefe, sie kann aber Bedeutung ermöglichen. Entscheidend ist, ob Kinder mit ihren Figuren Momente erleben, die in Erinnerung bleiben – ob Barbie 2025 zur Erzählpartnerin wird, die nicht nur Antworten liefert, sondern gemeinsame Erfahrungen prägt. Die Integration von KI eröffnet also Chancen, stellt die Branche aber auch vor pädagogische und kulturelle Herausforderungen. Ein Spielzeug muss nicht alles können. Es wird dann zum Kulturgut, wenn es Fantasie, Variation und Wiederholung ermöglicht – und Kindern mehr gibt als schnelle Antworten.