Wir gehn mal zu Elke

30.12.2025

Ein Besuch in „Elkes Buchladen“ in Schotten. 

Planet Toys Gefühlt. Gekauft. Geschenkt.

Der Luftkurort Schotten ist eine Kleinstadt mit knapp 10.000 Einwohnern im mittelhessischen Vogelsbergkreis. Die nächsten größeren Städte sind Alsfeld im Norden, Fulda im Osten, Bad Nauheim im Südwesten und Gießen im Westen. – So weiß es zumindest Wikipedia geografisch einzuordnen für all jene, die vielleicht von der Stadt noch nicht gehört haben, obgleich Aufmerksamkeit und Attraktivität ordentlich gesteigert wurden durch die Eröffnung des „Vulkaneum“, einem Museum, das interaktiv über den Vulkanismus informiert. Wer die Hauptstraße durch die Stadt nimmt, kann das grün unterlegte Schild mit der Aufschrift „ELKES Buchladen“ eigentlich gar nicht übersehen. Und schon der äußere Auftritt zeigt sofort, dass „Elkes“ weit mehr ist als ein in jeder Hinsicht verlockender Buchladen, der zum Stöbern einlädt.

Vom Buch zum Spiel – Sortiment mit Tradition

Die Ursprünge gehen zurück auf das Ende der 80er-Jahre, als Elke Leibner ein Buchgeschäft von zu Hause aus betrieb, beliefert von Libri. Wer dort bestellte, bekam tags darauf seine gewünschten Bücher persönlich nach Hause zugestellt! Ein erstes Ladengeschäft wurde in Schotten 1990 in der Ludwigstraße eröffnet, seinerzeit ein reiner Buchladen, der aber selbstredend nach der umtriebigen Inhaberin „ELKES Buchladen“ benannt wurde. Die Übernahme von Spielwaren Fischer in der Mitte der 90er-Jahre kann rückwirkend als Grundstein für eine vortreffliche Sortimentserweiterung gesehen werden. Auf diesem Wege gab es zu dem umfänglichen Buchangebot auch Schreibwaren und Spielwaren, seit vielen Jahren ergänzt durch Zeitschriften und eine der Lotto-Annahmestellen in der Stadt.

Seit 2011 befindet sich „ELKES Buchladen“ an seinem jetzigen Standort in der Vogelsbergstraße 138. Die gut 200 Quadratmeter sind heute gut gefüllt, wobei das Kernsortiment „Bücher“ ein Drittel des Platzes belegt. Geschmackvolle Geschenkartikel und Glückwunschkarten bilden ebenso ein wichtiges Standbein, wie auch das Schreibwarenangebot, in dem gefunden werden kann, was das Schülerherz benötigt. Doch auch wer Arbeiten binden lassen möchte, bei „Elkes“ geht das natürlich auch! Ebenso angenommen wird die Offerte, hier ein neues Passfoto erstellen lassen zu können oder aber ein Ticket für ein anstehendes Konzert oder für eine Lesung zu erwerben. Ein großes, inhaltlich gepflegtes Regal mit Brettspielen und ein reichhaltiges Angebot an Kartenspielen flankieren den Buchbereich neben weiteren Spielwaren, was nicht nur hinsichtlich der in Schotten Ansässigen sinnvoll ist, sondern auch Gäste anspricht, denn der Vogelsberg ist auch beliebte Urlaubsregion.

Generationswechsel mit Herz

Regelmäßige Spieleabende des Verkaufsteams garantieren, dass „Spiele kaufen“ ebenso auf eigener (Spiel-)Erfahrung basiert wie etwa das „Bücher kaufen“ auf eigener (Lese-) Erfahrung. Ein zentral stehendes Regal mit dem Schild „Unser Team empfiehlt“ darf gerne als Credo des Geschäfts verstanden werden. Nur das, was jemand im Team selbst gelesen oder selbst gespielt hat, kann auch überzeugend als Empfehlung der Kundschaft vermittelt werden. Zusätzlich zu diesem Regal stecken in einigen Büchern in den auf großen Tischen ausliegenden Büchern kleine Zettel, auf denen das aus zwei Festangestellten und fünf Minijobbern bestehende Verkaufsteam kurz seinen ganz eigenen Eindruck vom Buch niedergeschrieben hat. Und natürlich wird auch auf Regionalität gesetzt, auch dieser Bereich mit Bildband, Krimi oder Kochbuch findet sich im gut präsentierten Sortiment.

Die Vielfalt des Angebots suggeriert manchmal auch Erstaunliches, wie Katrin Leibner, die Tochter der Gründerin des Geschäfts, in einem persönlichen Gespräch lachend erzählt. „Es hat auch schon Kunden gegeben, die sind hineingekommen und suchten nach Glühbirnen oder Schnürsenkeln. Wir geh’n mal zu Elke wurde in Schotten in den Jahren zum Begriff.“ So steht es auch außer Frage, dass das Geschäft natürlich seinen Namen behält, auch wenn Elke Leibner im vergangenen Dezember verstarb. Der offizielle Inhaberinnenwechsel erfolgte zum 1. Januar 2025. Katrin Leibner hat eigentlich schon als Kind mitgearbeitet, nicht zuletzt deshalb, weil die Anfänge eben in den heimischen vier Wänden lagen. Immer wieder jobbte sie im Geschäft, wurde später ausgebildete Sozialpädagogin. Ihre Liebe zu „Elkes“ ist aber mit jeder Faser im Gespräch spürbar, selbst wenn sie davon erzählt, dass sie noch eine Handelsvertretung für Kita-Ausstattung und zusätzlich direkt in Schotten mit ihrem Mann und ein paar Freunden das „Altstadt Quartier“ betreibt, zentral direkt in der Altstadt gelegen, ein „Hostel & Herberge“ mit insgesamt Platz für 23 Gäste. Katrin Leibner versucht alles unter einen Hut zu bringen, mindestens zwei Tage in der Woche ist sie im Geschäft. Mit der Stadt ist sie gut vernetzt, natürlich ist sie an regionalen Veranstaltungen beteiligt, und wenn mal der Schlüssel für die Utensilien für das Schachspiel im Park gesucht werden … einfach bei „Elkes“ fragen! Über die Jahre hat sich das Sortiment verändert, auch aktuellen Strömungen ist Rechnung zu tragen. Der Regionalkrimi ist ein stetes Thema, sehr konsequent heißt gerade dann in der Reisezeit ein Fenster „Morden im Norden“, hier kann literarisch an Nord- und Ostseeküste ermittelt werden. Ein weiteres Fenster ist stets mit wechselnden Auslagen explizit dem Kinderbuch gewidmet. Hier werden ansprechend Klassiker von Michael Ende oder Astrid Lindgren mit neuen Titeln kombiniert, was gleichzeitig zeigt, wie zeitlos gerade viele dieser Titel sind.

Team mit Leidenschaft

Reagieren auf Angesagtes, das macht das präsentierte Angebot stets aktuell und gleichzeitig durch die persönlichen Empfehlungen individuell. Natürlich bestellt „Elkes“ über Nacht einen gewünschten Titel. Wer es lieber von zu Hause aus mag besucht den Online-Shop unter www.elkes.de und wer einfach stöbert und die fühlbare Buchbegeisterung auf sich wirken lässt, der wird zufrieden mit einem oder gerne auch mehr Titeln das Geschäft verlassen und sich gut beraten fühlen. Ein besonderes Phänomen sind derzeit Bücher mit Farbschnitt. Was nach Sammelleidenschaft aussieht, ist für die Disposition ein tückisches Problem. Was über die Schiene „Limitierung“ Besonderheit schürt, muss mengenmäßig kalkuliert sein, was nicht risikolos ist, versuchen hier doch ganz viele Verlage in schwierigen Zeiten Boden gut zu machen. Allerdings ist das diesbezügliche Angebot allmählich sehr unübersichtlich geworden – und der Farbschnitt sagt vor allem nichts über die Qualität des Inhalts aus!? Und ein ganz besonderes Phänomen sind Mangas im Feld der 18- bis 20-Jährigen. Die Comics aus Japan ebnen, wenn es gut läuft, den Weg zur Literatur. Dafür wird dann auch, wie Katrin Leibner aus Beobachtung berichtet, auf viel Handy-Zeit verzichtet. Faszinierend!

Ein intelligentes, sehr breit gefächertes Angebot macht „Elkes“ für eine sehr breite Kundschaft attraktiv, viele Kontakte bestehen jahrelang. Es ist die Zuverlässigkeit, die Zugewandtheit und das behutsame Verändern, was „Elkes“ in der Vergangenheit und in diesen Tagen zu einer Art Stadtmittelpunkt werden lässt. „Wir“, das sind eben erfreulicherweise ganz schön viele, die zu „Elkes“ gehen!´